Heiliggrab

Vom Passionssonntag bis Karfreitag kann in der Stiftskirche das imposante und einzigartige Heilig Grab besucht werden. Es macht das Leiden Christi sichtbar und lädt zur Betrachtung, zur Andacht und zum Gebet ein.

Chorherr Melchior Hartmann gab 1771 dem Künstler Joseph Ignaz Weiss den Auftrag, ein Heiliggrab zu schaffen. Dieser Süddeutsche Kirchenmaler wirkte vor allem in Einsiedeln, wohnte zeitweise in Rapperswil und schmückte von dort aus die Kirchen von Eschenbach SG, Silenen und Flüelen. In der Pfarrkirche von Schwyz zeugen das Altarblatt und 28 Fresken von seinem Können. Im Auftrag des Chorherrenstiftes Beromünster war J.I. Weiss in der Kirche von Hochdorf, in der Wallfahrtskapelle von Gormund und in der Beromünsterer Mooskapelle tätig. In der Stiftkirche St. Michael schuf er die beiden grossartigen Deckengemälde «Maria Himmelfahrt» und «Maria Krönung».

Das Beromünsterer Heilig Grab umfasst vor dem Chorgitter die ganze Breite des Mittelschiffes. In der Höhe überragt es die Chorstiege acht Meter. Es zeigt in seiner Kulissenmalerei eine dreifache Säulenhalle und täuscht dabei Mittel- und Nebenbühnen vor. Das Ganze fügt sich perspektivisch ins Raumbild der Kirche ein. Der Betrachter sieht von unten hinauf zur Decke und zwischen den gemalten Säulen hinaus in einen Hof, wo Stiege und Treppe unsere Blicke intuitiv nach oben ziehen. Über dem Kranzgesimse trennt eine geschwungene Balustrade das Bild. Ueber diesen Balkon malte der Künstler einen imaginären Kuppelbau mit Sicht in fast unendliche Höhen bis zum Himmel. Der eigentliche Mittelpunkt des Werkes ist der Front um zwei Schritte zurückversetzt. Dort im zentralen Teil wurde bis 1955 nach alter Karfreitagsliturgie die Monstranz aufgestellt. Darunter in der Altarnische liegt im Halbdunkel der Leichnam Christi im Grabe.

Da die Gläubigen früher auch nachts zum Gebete in die Kirche kamen, beleuchtete man das Heilig Grab mit Kerzen und Oellampen. Bunte Glaskugeln mit Wasser gefüllt vergrösserten die Flammenwirkung mit dem Effekt einer Linse. Im Laufe der letzten 230 Jahre erlitt Beromünsters Heilig Grab durch Auf- und Abbau zahlreiche Schäden, die im Jahre 1999-2000 fachmännisch behoben worden sind. Das Heilig Grab von Beromünster dürfte eines der letzten noch erhaltenen Kunstwerke dieser Art sein.

SRF Tagesschau-Beitrag zum Heiliggrab

Am Hohen Donnerstag, 2. April 2015 strahlte die SRF Tagesschau einen eindrücklichen Beitrag über das Heilig Grab von Beromünster aus. Anlass dafür war die Ausstellung <‘Wir setzen uns mit Tränen nieder‘ - Zeugnisse der Passionsfrömmigkeit aus Mittelalter und Barock aus dem Stift St. Michael Beromünster und dessen Umkreis>, die Urs-Beat Frei im Haus zum Dolder kuratiert hat (22.03.-26.04.2015).

Tagesschau-Beitrag